Besuch aus der Ukraine

„Let’s have some trip“ – Ukrainische Studenten besuchen Universität Münster

Als wir am Samstag den 2.10.2010 um 14 Uhr vor der alten Universitätsbibliothek auf den uns angekündigten ukrainischen Besuch warteten, wussten wir noch nicht ganz genau, was uns eigentlich erwartet. Mit ungefähr einer Stunde Verspätung kam dann doch ein Bus mit ukrainischem Kennzeichen die Straße entlang gefahren und wir konnten durch Winken und Gestikulieren auf uns aufmerksam machen. Erleichtert stieg die mit ca. 20 Studenten kleiner als erwartete Gruppe aus dem Bus und die Leiterin der Gruppe, X, stellte sich uns vor. Offiziell empfangen wurden unsere Gäste daraufhin im Juridicum von Dekan Prof. Dr. Hans-Michael Wolffgang, der in seiner Begrüßung die Stadt und Universität kurz vorstellte. Frau Dr. Antje von Ungern-Sternberg hielt im Anschluss daran einen kurzen Vortrag über das internationale öffentliche Recht und dessen Einbindung und Verhältnis zum Grundgesetz, dem die Studenten der Nichtregierungsorganisation „Center For International Law And Justice“ der Universität Odessa interessiert zuhörten und anschließend Fragen stellten. Schließlich stellte Frau Hannemann-Kacik das Masterprogramm „Deutsches Recht“ der Universität Münster vor, das ebenfalls auf breites Interesse stieß.

Währenddessen musste für den Reisebus mit zwei sehr müden Busfahrern ein Parkplatz gefunden werden, was angesichts einer Veranstaltung auf dem Hindenburgplatz und entsprechendem Verkehrschaos in der Innenstadt kein leichtes Unterfangen war. Wir erfuhren, dass die Reisetruppe, die auf ihrer Studienfahrt unter dem Motto „Let’s have some trip“ durch Mitteleuropa neben Münster auch die Städte Lviv, Lublin, Warschau, Potsdam, Hamburg, Bremen, Amsterdam, Den Haag, Brüssel, Straßburg und Genf besuchte, schon so einige schwierige Situation und schon fast eine kleine Odyssee hinter sich hatte, bevor sie in Münster ankam. Hostels mit 20-Bettzimmern in Hamburg, sehr niedrige Straßenbrücken in Bremen (an denen nun ein guter Teil ukrainischer Autolack klebt) , Staus auf sämtlichen Strecken, vergebliche Parkplatzsuchen… Wir waren froh, dass sie in Münster mit nur einer Stunde Verspätung ankamen und trotz der Reisestrapazen wach und interessiert den Vorträgen und der anschließenden Universitäts- und Stadtführung zuhörten.

Bemerkenswert fanden die Ukrainer dabei die moderne Ausstattung und das gepflegte Äußere unseres Juridicums und der Universitäts- und Landesbibliothek sowie den (trotz Renovierungsarbeiten) beeindruckenden Dom und das geschichtsträchtige Rathaus. Hier bekamen unsere Gäste gleich einen Eindruck von der Bedeutung dieses Ortes, als zufälligerweise in jenem Moment unser Innenminister de Maizière vor dem Rathaus aus seiner eskortierten Limousine stieg um im Rathausfestsaal über den Prozess und den aktuellen Stand der Wiedervereinigung zu referieren.

Nach einem kurzen step-in im Münstershop machten wir uns auf dem Weg zu dem in Elsa-Kreisen alt-bewehrten Restaurant „La Torre“, um unseren hungrigen Gästen dort die deutschen Speisekarten zu übersetzen (englische Speisekarten gab es leider nicht). Nach gefühlten drei Stunden war für unsere leiderprobten Reisenden auch diese letze Hürde genommen und wir konnten den Besuch in gemütlicher Runde ausklingen lassen, bis sich die Gruppe um 8 Uhr auf den Weg Richtung Amsterdam machte. Uns blieb nur noch ihnen viel Glück auf dem Rest ihrer Reise zu wünschen, Emailadressen auszutauschen und Visitenkarten entgegenzunehmen. Erstaunlich, wie schnell man sich kennenlernt und neue Kontakte knüpft. Mit diesem Gedanken machten wir uns auf den Heimweg, froh, dass wenigstens in Münster für unsere ukrainischen Freunde alles glatt verlaufen ist.